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N E W S L E T T E R   D E U T S C H E   B O T S C H A F T   P R A G

10/2006

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Touristen suchen nach Spuren der Berliner Mauer
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„Wo stand die Mauer?“ - Die Suche nach authentischen Spuren der deutschen Teilung in Berlin ist für Touristen nicht ganz einfach. Auch junge Leute suchen „Geschichte zum Anfassen“. Doch in der Euphorie über den Fall des meterhohen, dicken Betonwalls im Herbst 1989 wurde vieles weggerissen. Berlin sollte zusammenwachsen, die verhasste Mauer nicht nur aus dem Denken, sondern auch aus dem Stadtbild verschwinden.

Heute sind manche Besucher enttäuscht, dass sie den Verlauf der Mauer nur anhand von Pflasterstreifen oder Kupferbändern nachempfinden können, die in Straßen oder Plätze eingelassen wurden. Wer genauer hinsieht, kann aber noch einige Überreste von „Berlins berühmtesten Bauwerk“ finden. So ist in der Nähe des Regierungsviertels ein DDR-Wachturm zu besichtigen, der durch private Initiative erhalten wurde. Die 1998 eingerichtete nationale Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße zeigt ein mehr als 200 Meter langes Mauerstück, das seitlich von Edelstahlwänden begrenzt ist. Durch Schlitze sind Grenzanlagen zu sehen. Bis heute ist der ehemalige Todesstreifen in diesem Bereich, da die Trennung zwischen Ost und West besonders dramatisch vollzogen wurde, nicht wieder bebaut. Geblieben ist zudem die East-Side-Gallery in Berlin-Friedrichshain, ein Stück der Berliner Mauer, auf dem Künstler ihre Freude über die Einheit festgehalten hatten.

Besonders beliebt bei Touristen ist der legendäre Checkpoint Charlie an der Friedrichstraße. An den früheren Alliierten-Übergang erinnern eine nachgebaute Kontrollbaracke der US-Army und ein Sektorenschild auf der Straße. Hier können sich Besucher mit uniformierten Schauspielern fotografieren lassen. Scharen von Menschen aus aller Welt strömen täglich an den Schauplatz der direkten Konfrontation zwischen Ost und West, wo sich wenige Wochen nach dem Mauerbau 1961 amerikanische und sowjetische Panzer gegenüberstanden.

Wie groß das Interesse an deutscher Geschichte ist, zeigt auch die Zahl der Besucher des Mauermuseums am Checkpoint. Das private Museum gehört zu den bestbesuchten in der Hauptstadt. Von der Nähmaschine, auf der eine Hülle für einen Heißluftballon für eine DDR-Flucht zusammengenäht wurde, über Original-Mauerteile bis zum ausgestopften Dachs, den Stasi-Chef Erich Mielke schoss, reichen die Exponate.

Museumschefin Alexandra Hildebrandt hatte das Mauergedenken forcieren wollen und auf einer Brache am Checkpoint eine Installation mit rund 1000 Holzkreuzen für die Opfer des Grenzwalls und einem nachgebauten Mauerstück errichtet. Kritiker nannten dies ein historisch unwahres „Disneyland“ des Gedenkens. Die umstrittene Ausstellung wurde im vergangenen Jahr abmontiert, sie entfachte aber die Debatte um das Gedenken an die Berliner Mauer neu. Inzwischen informiert dort eine von Berlins Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei) initiierte Freiluftausstellung über die Geschichte der Mauer.

Nach den Plänen des Berliner Senats soll an der Friedrichstraße ein Museum des Kalten Krieges entstehen, das die internationale Dimension der Teilung widerspiegelt. Das knapp 17 Jahre nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 vorgelegte Konzept sieht als wichtigsten Punkt vor, die Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße aufzuwerten. Zwischen Nordbahnhof und Mauerpark soll der Ort dramatischer Fluchtaktionen zur zentralen Erinnerungslandschaft im früheren Todesstreifen ausgebaut werden. Berlin hofft, dass sich der Bund an den Kosten beteiligt. Erarbeitet wird derzeit auch ein Totenbuch mit den Namen und Schicksalen von Opfern der Teilung. Mehr dazu finden sie unter: www.berlin.de/mauergedenken

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Wirtschaftsforschungsinstitute: Stärkster Aufschwung seit 2000
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Der Konjunkturaufschwung ist nach Ansicht der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute deutlich robuster als erwartet und sorgt für eine sinkende Arbeitslosigkeit in Deutschland. Für dieses Jahr rechnen sie mit einem Konjunkturschub von 2,3 Prozent - so viel wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Die sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute erarbeiten jeweils im Frühjahr und im Herbst eine gemeinsame Prognose zur Konjunkturentwicklung. Die Prognose enthält als Kern detaillierte Aussagen über das Wachstum der Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und die Preisentwicklung im laufenden und im kommenden Jahr. Sie gilt als eine wichtige Orientierungsmarke für Wirtschaft und Politik.

Die Experten übten in ihrem Herbstgutachten auch Kritik am Kurs der großen Koalition. Die Regierung könne sich nicht dazu durchringen, den Rückenwind aus der Wirtschaft für große Reformen bei Gesundheit, Arbeitsmarkt und Steuern zu nutzen.

Noch unklar ist, wie stark die Mehrwertsteuererhöhung 2007 den Konjunkturmotor beeinträchtigen wird. "Da die Mehrwertsteuer noch nie so stark erhöht wurde, ist es schwierig einzuschätzen, in welchem Maße die Finanzpolitik die Konjunktur dämpfen wird", sagte Gebhard Flaig vom Münchner ifo-Institut. Die Steuer wird zum 1. Januar von 16 auf 19 Prozent angehoben. Einige Institute erwarten, dass sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,3 Prozent in diesem Jahr dann auf 1,4 Prozent abschwächen wird. Andere Experten sehen Anzeichen dafür, dass der Aufschwung stabil genug ist, um 2007 die negativen Folgen aus Steuererhöhungen und wieder nachlassendem privaten Konsum zu verkraften.

Die Institute schätzen die Wirtschafslage insgesamt wesentlich besser ein als noch im April in ihrem Frühjahrsgutachten. Sie hoben für 2006 ihre Prognose um 0,5 Prozentpunkte und für 2007 um 0,2 Prozentpunkte an. Der Aufschwung werde neben dem stark steigenden Export zunehmend von der Inlandsnachfrage getragen, schreiben die Forscher.

Die Arbeitslosenquote soll 2006 im Vergleich zum Vorjahr von 11,2 auf 10,4 Prozent sinken. Da die Unternehmen mehr Stellen schaffen, werde die Quote 2007 sogar auf 9,9 Prozent zurückgehen.

Bei der Verschuldung wird Deutschland laut Gutachten in diesem Jahr ein Defizit von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nach Brüssel melden. Damit wird die EU-Defizitgrenze von 3 Prozent eingehalten. 2007 sinke das Defizit wegen der sprudelnden Einnahmen aus der Mehrwertsteuer auf 1,4 Prozent.

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Hannah Arendt - Weltberühmt durch die "Banalität des Bösen"
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Hannah Arendt war auf einen Schlag international berühmt, als sie beim Prozess gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann den Begriff von der "Banalität des Bösen" prägte. Die große politische Philosophin wurde vor 100 Jahren am 14. Oktober 1906 in Hannover-Linden geboren.

Schon als junge Philosophiestudentin in Berlin, Königsberg, Freiburg, Marburg und Heidelberg galt sie als ungewöhnlich große Begabung. In den zwanziger Jahren hatte sie eine Liebesbeziehung zu ihrem 17 Jahre älteren Lehrer Martin Heidegger.

1929 heiratete Hannah Arendt den als Günter Anders bekannt gewordenen Schriftsteller Günter Stern. Sie betätigte sich nach Beginn der Nazi-Herrschaft politisch als junge Zionistin und sagte später dazu: "Wenn man als Jude angegriffen wird, muss man sich als Jude verteidigen." Nach der Flucht aus Deutschland nach Frankreich heiratete Arendt 1940 in zweiter Ehe den Publizisten Heinrich Blücher, mit dem sie bis zu dessen Tod 1970 zusammenblieb. 1941 flüchtete das Paar gemeinsam mit Arendts Mutter weiter in die USA.

Hier schlug sich die Philosophin zunächst mit kleinen Jobs durch und veröffentlichte 1950 Eindrücke von ersten Nachkriegsbesuchen in ihrer Heimat. Damals schilderte sie eine aus ihrer Sicht befremdliche Sprach- und Teilnahmslosigkeit der Deutschen gegenüber dem Holocaust: „Die Gleichgültigkeit, mit der sich die Deutschen durch die Trümmer bewegen, findet ihre genaue Entsprechung darin, dass niemand um die Toten trauert.“

Neben der Judenvernichtung und dem Kampf des jungen Judenstaates Israel wird die Auseinandersetzung mit totalitären Herrschaftssystemen zum dominierenden Lebensthema für die politische Denkerin. Zu heftigsten Fehden führten Anfang der sechziger Jahre ihre Berichte für den "New Yorker" vom Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem. Dass sie die unendliche Bösartigkeit des industriell organisierten Massenmordes mit dem Adjektiv "banal" für dahinter stehende Personen belegte, empörte zunächst auch frühere enge Weggefährten.

Mit zunehmendem zeitlichen Abstand wurden Arendts Gedanken zum Nationalsozialismus aber immer umfassender anerkannt. Hannah Arendt lehrte in den USA in Chicago und New York. In Deutschland erhielt sie 1958 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und später zahllose weitere Auszeichnungen. Sie unterhielt von ihrer New Yorker Wohnung aus enge freundschaftliche Kontakte zu vielen deutschen Intellektuellen wie Karl Jaspers und Uwe Johnson. Hannah Arendt starb hier am 4. Dezember 1975.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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