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Zusammenfassung, Ausgabe 1-2/2003 Nach dem Fall des eisernen Vorhangs und mit der Öffnung der Grenzen herrschte auf beiden Seiten zunächst große Euphorie. Dies drückte sich in einem Anwachsen der gegenseitigen Kontake aus, sowohl institutionell wie auch zwischen den Bürgern selbst. Die Organisation der Arbeit wurde in den Euroregionen zusammengefasst. Die veränderte Rolle der deutsch-tschechischen Grenzgebiete wird auch durch die Wiedervereinigung und Deutschlands Wiedererstarken zu einer Kontinentalmacht markiert. Das tschechische Grenzgebiet nähert sich inzwischen den europäischen Strukturen an und rückt auch als Akteur im Integrationsprozess nach vorne. Nichtsdestotrotz lassen sich weiterhin langfristige Folgen der zwei unterschiedlichen Systeme in den Grenzgebieten beobachten. Als Folge dessen kommt zu assymetrischen Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen, die besonders stark in dem Teil der Grenzgebiete sind, wo der Verkehr und die Besuche zwischen den Bürgern häufig und unmittelbar sind. Aufgrund der unterschiedlichen Geschichte beider Länder lassen sich aber auch unterschiedliche Motivationen und Aktivitäten von Deutschen und Tschechen erkennen, wenn es um die gegenseitige Kontakaufnahme geht. Dies hat positive Folgen, so lange erkannt wird, dass Deutsche und Tschechen eindeutig nicht in einer Position der Konkurrenz zueinander stehen. In eine vollständige Beschreibung der Situation gehört allerdings auch die in den Grenzgebieten negativ gesehenen Aktivitäten und Bestrebungen der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Das Ungleichgewicht in den Beziehungen und die Aktivitäten der Landsmannschaft beeinflussen das Bild, das die Bürger in den Grenzgebieten von Deutschland haben, und verändern dadurch auch die Arbeit ihrer tschechischen Vertreter. Wie wird die Tschechischen Republik im internationalen Kontext wahrgenommen Tschechiens Stellung wird von den Bürgern in den Grenzgebieten vor allem als eine europäische wahrgenommen. Von den Ländern, mit denen nach Meinung der Bürger bereits die beste wirtschaftliche, politische und miltärische Zusammenarbeit herrscht, wird nur ein außereuropäischer Staat erwähnt und zwar die USA. Deutschland steht an erster Stelle der wünschenswerten Partner, gefolgt von den Vereinigten Staaten. Man kann hier durchaus einen Zusammenhang sehen. Die Supermacht USA und die Regionalmacht BRD stehen im Blickpunkt der Öffentlichkeit als die maßgeblichen Partner, wobei Deutschland der größere Einfluss zugerechnet wird. Diese beiden Länder werden auch als die idealen Partner angesehen. Insgesamt kann man die Partner in drei Gruppen einteilen. In die erste gehören die bereits erwähnten USA und Deutschland. In die zweite fallen Großbritannien und Frankreich, wobei auf die Zusammenarbeit ein gewissermaßen kleiner Akzent gelegt, allerdings auf ihren Einflusses hingewiesen wird. In die dritte Gruppe gehören die Nachbarstaaten ohne Deutschland: die Slowakei, Polen und Österreich. Hier ist es interessant zu sehen, dass die Wahrnehmung des Einflusses dieser Länder auf Tschechien dem von den Bürgern gewünschten entspricht. Während Österreich als das Land mit dem größten Einfluss aus dieser Gruppe gesehen wird, sähen die Befragten jedoch lieber eine enge Zusammenarbeit mit der Slowakei. Diese wurde als bevorzugter Partner in militärischen und politischen Fragen am häufigsten von allen drei Ländern genannt, dahinter Polen und erst an dritter Stelle Österreich. Allerdings muss man festhalten, dass beim Thema "wirtschaftliche Zusammenarbeit" Österreich als gewünschter Partner aus dieser Gruppe am häufigsten genannt wird. Interessant erscheint es, dass 14 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nur noch 2,8 % der Bürger glauben, Russland übe einen nennenswerten Einfluss auf die Tschechische Republik aus. Andere Staaten hatten für die Befragten nur marginale Bedeutung.
Tschechien hat keine direkten äußeren Feinde mehr und hiermit lässt sich wohl auch begründen, warum in den Grenzgebieten ein relativ hohes Sicherheitsgefühl vorherrscht. Allein vor Deutschland werden relativ häufig Befürchtungen geäußert (3,9 %). Wenn man jedoch die Konflikte zwischen diesen beiden Ländern aus der Vergangenheit betrachtet und nicht außer Acht lässt, dass sie noch bis 1989 Gegner im Systemkonflikt waren, erscheint auch dieser Wert noch ausgesprochen niedrig. Man kann also von grundsätzlich positiven Vorraussetzungen für die Zusammenarbeit beider Staaten ausgehen. An zweiter Stelle einer möglichen Bedrohung für Tschechien wurde Rußland genannt (2,8 %). Auch in diesem Fall spielt wohl die Geschichte eine Rolle. Langfristig lässt sich sagen, dass die Einbindung der Tschechischen Republik in die internationale Sicherheitsstruktur eine wichtige Rolle spielt bei der Versöhnung zwischen Deutschland und Tschechien. Bedrohungsgefühle gegenüber anderen Ländern sind bereits heute marginal.
Die Beziehungen der Bürger in den Grenzgebieten zur Europäischen Union In den Grenzregionen zu Deutschland herrscht im allgemeinen eine positive Einstellung zum EU-Beitritt des Landes. Allerdings muss ebenfalls erwähnt werden, dass es in den verschiedenen Regionen Unterschiede in der Bewertung des Beitritts gibt. So sehen die Bürger, die an der Grenze zu Bayern leben, die Beziehungen mit Deutschland und die EU-Erweiterung positiver als diejenigen an der Grenze zu Sachsen: Zur positiven Einstellung gegenüber der europäischen Integration an der Grenze zu Bayern tragen offensichtlich die Möglichkeiten bei, von der dynamischen bayerischen Wirtschaft zu profitieren und der Tourismus sowie unternehmerische Aktivitäten, die finanzielle Mittel in die Region bringen, tragen dazu bei, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden.
Die Menschen in den Grenzgebieten fürchten nicht um ihre nationale Identität im Rahmen des EU-Beitritts. Zwei Drittel schenken der These, dass die Tschechische Republik sich nach einem Beitritt als Staat nicht mehr behaupten könne, keinen Glauben. Allerdings sind die Erwartungen, die mit dem Beitritt verbunden werden, nicht eindeutig positiv. Die Probleme, die gesehen werden, liegen vor allem im sozialen Bereich, besonders in der Sorge, ob der Lebensstandard weiter ansteigt sowie in Befürchtungen vor einer steigenden Arbeitslosigkeit. Positive Effekte werden im wirtschaftlichen Bereich erwartet, vor allem was verbesserte Absatzchancen für tschechische Produkte betrifft und die Möglichkeit, die EU-Strukturfonds zu nutzen. Nicht eindeutig sind ebenfalls die Meinungen im politischen Bereich. Am häufigsten neigt die Bevölkerung zu der Meinung, dass in ihrer Region der Einfluss Deutschlands wachsen wird, was die staatliche Souveränität bedrohe. Auf der anderen Seite glauben mehr als die Hälfte, dass Tschechien nach dem Beitritt ein vollwertiger Partner in der EU sein und mit den gleichen Rechten ausgestattet werden wird wie die anderen auch. Ethnischen Toleranz In den Grenzregionen herrscht neben engen Beziehungen zur Slowakei auch ein großes Vertrauen in die westliche Kultur. Allerdings sind diese Regionen natürlich auch weiteren kulturellen Einflüssen gegenüber nicht verschlossen.
Relativ tolerant äußern sich die Bürger gegenüber Schwarzen, Vietnamesen, Chinesen und Russen. Negativ gesehen werden eindeutig diejenigen Nationen, die im Bewußtsein der Menschen mit einer Art von persönlichen Gefühl, Eigentum oder anderen Bedrohungen verbunden sind. In langfristiger Sicht drücken die Bürger jedoch die größte Distanz gegenüber den Roma aus. Dies wird begründet mit verhältnismäßig stark in Erscheinung tretenden Vorkommnissen wie Diebstahl oder einer sehr geringen Anpassungsfähigkeit seitens der Roma. Diese Einstellung scheint sich in den Grenzgebieten verfestigt zu haben.
Bewertung der nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Tschechien In den beobachteten Regionen wird allgemein der gute Stand der nachbarschaftlichen Beziehungen geschätzt. Diejenigen mit einer eher skeptischen Meinung zu den Beziehungen kann man in zwei Gruppen unterteilen. Zum einen in sozial Schwache und zum anderen in diejenigen, die Befürchtungen vor den Sudetendeutschen artikulieren. Trotzdem schätzen auch diese Gruppen im allgemeinen das Verhältnis zu den Nachbarn. Ein skeptischer Zugang ist auch in der Grenzregion mit Sachsen zu finden. Jedoch konnte die Forschung nicht belegen, dass der skeptischere Zugang im Nordwesten mehr von den Aktivitäten der Sudetendeutschen beeinflusst wäre als in den an Bayern grenzenden Regionen. Trotzdem tragen die Befürchtungen vor den Forderungen der Sudetendeutschen Organisationen allgemein dazu bei, dass sich die Beziehungen zwischen Tschechien und Deutschland schwieriger gestalten.
Seit etwa 1999 deutet sich ein Trend hin zu einer leichten Verbesserung an in den gegenseitigen Beziehungen, wobei dies vor allem im Grenzgebiet als positiv und von Bedeutung angesehen wird. Die Mehrheit sieht dies offenbar als wichtig an und bei einem Viertel steht die gute Nachbarschaft zu Deutschland sogar an erster Stelle ihrer Prioritätenliste. Gleichzeitig herrscht die Meinung vor, dass die Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland einen positiven Einfluss auf die gegenseitigen Beziehungen hatte. Es ist klar zu sehen, dass eine vereingte Grenzregion in der nah an Bayern liegenden Region positiver gesehen wird als in der an Sachsen grenzenden. Allgemein kann man jedoch feststellen, dass die Bürger der Meinung sind, dass sich die Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen seit dem Jahr 1989 verbessert haben. Die immer wiederkehrenden bilateralen Streitigkeiten und medialem Erregungen scheinen auf die Bürger keinen großen Eindruck zu machen. Außerdem herrscht immer mehr das Bewußtsein vor, dass Deutsche und Tschechen nach dem Beitritt zusammen Partner in der EU sein werden. Allgemein sinkt die Auffassung, dass von Deutschland eine Bedrohung ausgehen könnte. Im Jahr 1996 hielten das noch 18,4% für möglich, im Jahr 2003 nur noch 4%. Damit scheint es offenkundig, dass das Vertrauen zwischen den Partner ständig wächst. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass formale Schritte (wie z.B. Abkommen und Zusammenarbeit auf allen Ebenen) die Einstellungen der Bürger zum Nachbarn positiv beeinflussen.
Zusammenfassung, Ausgabe 1/2004 Welche Faktoren beeinflussen das deutsch-tschechische Verhältnis? Um zu sehen, wie sich die deutsch-tschechischen Beziehungen entwickeln könnten, muss man versuchen, die Faktoren zu erkennen, die das Verhältnis positiv oder negativ beeinflussen und sehen, wie sie sich auf der Grundlage von Vorurteilen, unrealistischen Erwartungen und ähnlichem entwickeln.
Langfristig gesehen sind die Faktoren, die die Qualität der Beziehungen beeinflussen, das überraschende Anwachsen von Konflikten über die gemeinsame Vergangenheit, die im Gegensatz stehen zu den Bemühungen der politischen Eliten, den Weg zur Versöhnung über den deutsch-tschechischen Dialog zurückzulegen. Obwohl im Jahr 1992 der Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnet und 1997 die Deutsch-Tschechische Erklärung, ist offensichtlich, dass es nicht gelungen ist, das konfliktträchtige Potenzial der jüngeren Geschichte (seit 1918) aus dem Bewußtsein der tschechischen Geschichte zu beseitigen. Die Positionen der Sudetendeutschen Landsmannschaft verstärken die Irritationen in der tschechischen Gesellschaft und bei den politischen Eliten Tschechiens und verkomplizieren so andere, sich positiv entwickelnde Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen auf lokaler Ebene und in den regional zusammenhängenden Grenzgebieten. Die gleiche Entwicklung ist auch in gesamtstaatlichen Untersuchungen beobachtbar. Mit großer Wahrscheinlichkeit kann man das Anwachsen der geschichtlichen Faktoren (im Jahr 1993 lediglich für 40 % relevant, 2003 für 69 %) vornehmlich als Ergebnis der Forderungen der Sudetendeutschen Landsmannschaft deuten. Zusammenfassend kann man sehen, dass in gesamtstaatlichen Untersuchungen (die Daten hierzu stammen aus dem Jahr 1999) die Bürger sich im Bezug auf Deutschland wesentlich skeptischer äußern als im Grenzgebiet. Eine der Erklärungen könnte der tägliche Kontakt zwischen den Bürgern beider Länder sein. Andere Erklärungsmuster wären nicht nur bestimmte Trends in den konservativen Einstellungen der Bürger im Inland, sondern auch die höhere strukturelle Qualität der Skepsis gegenüber Deutschland und den daraus folgenden Problemen in den deutsch-tschechischen Beziehungen.
Die Einstellung der tschechischen Öffentlichkeit zu den Sudetendeutschen Das erste Mal trat die Problemstellung der Relevanz der sudetendeutschen Frage im Rahmen der Forschung in den tschechischen Grenzgebieten im Jahr 1991 auf und damals sahen in ihnen 66 % der Befragten ein potenzielles Problem für die deutsch-tschechischen Beziehungen. 1999 lag der Anteil der Antwort "sehr oder eher wichtig" bei 61 % und im Jahr 2003 setzte sich der abnehmende Trend auf nun 43,7 % fort.
Sudetendeutsche Landsmannschaft: Furcht oder Hoffnung? Ein Phänomen in den deutsch-tschechischen Beziehungen ist die Tätigkeit der Sudetendeutschen Landsmannschaft und ihre Anstrengungen, die Folgen der Vertreibungen rückgangig zu machen. Diese Tätigkeit wird sehr kritisch gesehen. Ein bedeutender Teil der Öffentlichkeit bemerkt die Anstrengungen dieser Vereinigung in den Grenzgebieten. Dies besonders durch ihren starken Einfluss, mit dem sie auch indirekt die tschechische Innenpolitik beeinflussen.
Die Zahlen legen nicht nahe, dass die tschechische Bevölkerung in den Grenzgebieten von einem massenhaften Gefühl der Angst gegenüber den Vertriebenenverbänden beherrscht ist. Nichtsdestotrotz ist nicht auszuschließen, dass die 40 %, die den sudetendeutschen Aktivitäten indifferent gegenüberstehen, bei ethnischen Konflikten zu der Gruppe mit Befürchtungen kippen könnten.
Deutsch-tschechischer Ausgleich in den Augen der Öffentlichkeit Seit den 1990er Jahren bis heute gab es immer wieder Anstrengungen, um begangenes Unrecht aus dem 2. Weltkreig und danach wieder gut zu machen. Die Diskussion wurde mit der Annahme der deutsch-tschechischen Erklärung auf höchster Ebene formal beendet. Aufgrund der verhältnismäßig großen Öffentlichkeit, die sie erfahren hat, kennen sie mehr als die Hälfte der Bürger im Grenzgebiet. Allerdings haben nur in etwa 10 % auch eine gute Kenntnis ihres Inhaltes. Zwei Fünftel wissen überhaupt nicht, was die Deutsch-Tschechische Erklärung ist.
Die Übereinstimmung mit der Haltung der tschechischen Regierung und den staatlichen Organen zur deutsch-tschechischen Aussöhnung In den Grenzgebieten gibt es eine ausgesprochen große Unterstützung der tschechischen Regierungspolitik der deutsch-tschechischen Versöhnung. Diese Unterstützung ist am größten in der Ablehnung einer Aufhebung der Beneš-Dekrete. Vier Fünftel sind mit dieser Haltung einverstanden. Zwei weitere Drittel halten insgesamt die Regierungspolitik in der sudetendeutschen Frage für richtig. 59 % stimmen mit der Aussage überein, dass die Regierung genügend Rücksicht und Verständnis gegenüber den Sudetendeutschen ausdrückt. Allerdings sind auch 59% der Meinung, dass die Regierung nicht genügend die tschechischen Interessen gegenüber den Vertriebenenverbänden vertritt. Gegen eine humanitäre Geste ohne finanzielle Folgen für einen Teil der Vertriebenen sind dagegen wieder nur ein Drittel der Befragten. Man kann daher von einer relativ stabilen Mehrheit für einen Schritt ausgehen, den die Politik bislang noch für zu riskant hält.
Die meiste Ablehnung erzeugte jedoch die Eröffnung des sogenannten Kontaktsbüros der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Prag (58,7%) und die Aussage, dass die Regierungen deren Forderungen entgegenkommen sollte (67 %).
Ansichten zur Versöhnung mit der Vergangenheit Die Öffentlichkeit ist gespalten in der Frage der Bedeutung und über die Folgen der Vergangenheitsbewältigung. Auf der einen Seite stimmt der bedeutend größte Teil der Bürger mit der Meinung überein, dass die Bewältigung der Vergangenheit zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Deutschland und Tschechien beiträgt und eine Bestrafung der Kriegsverbrechen ähnliche Gewalt in Zukunft verhindert (81,3 %). Etwas kontroverser, aber immer noch auf große Zustimmung stößt die Aussage, dass das Wiederaufreißen alter Wunden der Vergangenheit das vorherige Unrecht wiederauferstehen lässt (77,4%) und dass die finanzielle Entschädigung der Nazi-Opfer lediglich eine reine Geste darstellt (77,3%).
Eine Gruppe (H.H. Hahn und andere) sieht keine Gefahr in "staatlich sanktionierter Reinterpretation der Vergangenheit", während die zweite (E. Steinbach, CDU/CSU, SL) behauptet, dass es "ohne Kritik keine Zukunft" gibt. Wobei man unter Kritik nicht nur die moralische und ethische Sicht der Sieger sehen könne, sondern auch evtl. die Sicht der Vertriebenen und die Folgen für die aktuelle europäische Ordnung beachten müsste. Es gibt keinen Zweifel, dass das geschichtliche Gedächtnis und die sogenannte Versöhnung mit der Vergangenheit zu den legitimen gesellschaftlichen Prozessen, die ständig im öffentlichen politischen Raum der BRD und auch Tschechiens und anderer Länder ablaufen. Aber man müsse damit rechnen, dass explosive Themen eine eigene Dynamik mit politischer Wirkung gewinnen und Tendenzen beleben könnten, die zu alten Kämpfen zurückführen (Daniel Cohn Bendit). Der aktuelle Beweis für diese These sind wohl die Spannungen in den deutsch-polnischen Beziehungen, die zu den dramatischen Polemiken über das Zentrum gegen Vertreibungen geführt haben .
Die Aussiedlung der Deutschen und die Beziehung zur ehemaligen Landsmannschaft Fast drei Viertel der Befragten denken, dass die Aussiedlung der Sudetendeutschen gerechtfertigt war. Allerdings äußern drei Zehntel Vorbehalte über die Art und Weise, wie dies geschehen ist. Ein Fünftel hält die Vertreibung für eine gerechte Lösung, wobei der größte Teil von ihnen meint, dass diese auf die Entscheidung der Alliierten zurückging. Nur vier Prozent der Bürger halten die Aussage für richtig, dass die Vertreibungen ungerecht oder ungerecht und grausam waren. Aus langfristiger Sicht formieren sich drei unterschiedliche Gruppen in der Frage der Bewertung der damaligen Ereignisse. Die erste Gruppe bewegt sich in einem Rahmen um die 30 % (im Jahr 2003 erreichte sie 43%) und billigt die Ausweisung ohne Vorbehalte. Die zweite Gruppe drückt ihre Zustimmung zu der Ausweisung aus, äußert allerdings auch Vorbehalte zu den damaligen Vorkommnissen (besonders zu der "wilden" Phase). Der Teil, der diese Meinung vertritt, sinkt. Die dritte Gruppe stellen diejenigen dar, die die Aussiedlungen für ungerecht halten (im Jahr 2003 insgesamt 19%) Die häufigen Behauptungen einiger Publizisten, dass die tschechische Gesellschaft in einem nationalen, frontartigen Meinungsmonolith verhaftet ist, haben keinen Bestand, denn auch in einer derart heiklen Frage, wie die Bewertung der Vertreibung, ist eine Differenzierung der Meinungen zu verzeichnen.
Möglichkeiten zu einem Umgang der tschechischen Beziehungen mit den Sudetendeutschen sieht die Öffentlichkeit im Grenzgebiet vor allem in einer humanitären Geste, die nicht begleitet wird von weiteren finanziellen oder anderen ausgleichenden Forderungen.
Zum Bruch kam es im Zusammenhang mit der deutsch-tschechischen Erkärung als sich die Unterstützung der Ausgangspunkte verdoppelte und seitdem anhält. Es wuchs stark der Typ "nicht handeln" an, der sich in der Anzahl beinah verdoppelt hat und offenkundig als erste Reaktion auf die andauernden Forderungen der Sudetendeutschen Landsmannschaft angesehen werden kann, einschließlich der Behauptung, dass die Tschechische Republik " mit der historischen Belastung der Dekrete nicht zu Europa gehört." In der Frage, ob man mit den sudetendeutschen Organisationen zusammenarbeiten könne, ist die tschechische Gesellschaft gespalten, wobei 43 % der Meinung sind, dass dies möglich sei. Das erscheint relativ überraschend und deutet an, dass ein möglicher Ansatzpunkt in den sudetendeutsch-tschechischen Beziehungen existiert – unter der Vorraussetzung, dass die Vertriebenenverbände nicht ihre radikalen Forderungen der jüngeren Vergangenheit wiederholen. Mehr als die Hälfte der Befragten lehnt das unmittelbare Verhandlungen der Regierung mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft ab (56,5%) und ist auch nicht der Meinung, dass sie der Sache freien Lauf lassen sollte (59, 2%) Auf den größten Widerstand jedoch trifft die Möglichkeit, dass die Vertriebenen Entschädigung bekommen (70,3 % ) oder dass es zu einer Rückgabe des ehemaligen Eigentums kommen könnte (81,4 %).
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