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Grenzüberschreitende regionale Zusammenarbeit
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Tschechien in den Euroregionen

 

Eine besonders intensive Form der bilateralen Zusammenarbeit stellt die grenzüberschreitende regionale Kooperation in den Euroregionen dar, an der Bayern, Sachsen, Thüringen, Böhmen, das österreichische Mühlviertel und Niederschlesien in Polen beteiligt sind. Insgesamt befinden sich auf dem Territorium der Tschechischen Republik 13 Euroregionen, von denen fünf das deutsch-tschechische Grenzgebiet betreffen:

  1. Euroregion Neisse-Nisa-Nysa (trilateral zwischen Deutschland, Tschechien und Polen)
  2. Euroregion Elbe/Labe (bilateral deutsch-tschechisch)
  3. Euroregion Erzgebirge–Krušnohoøí (bilateral deutsch-tschechisch)
  4. Euregio Egrensis (bilateral deutsch-tschechisch)
  5. Euregio Bayerischer Wald-Šumava-Mühlviertel (trilateral zw. Deutschland, Tschechien und Österreich)

 

Der Bereich im Überblick
Feierlichkeiten zum EU-Beitritt im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien am 1.5.2004
 
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Grenzgebiete im Herzen Europas

Als Verbindungsstelle zwischen der Europäischen Union und den benachbarten Beitrittsländern wurden Anfang der 90er Jahre bi- und trilaterale Euroregionen geschaffen, um die Chancen der bevorstehenden EU-Erweiterung zu nutzen, aber auch um der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in der Grenzregion gerecht zu werden. Die benachbarten Regionen in Deutschland, Österreich, der Tschechischen Republik und Polen sind durch gemeinsame Interessen wie auch durch gemeinsame Probleme miteinander verbunden. Aus der Erkenntnis, dass die existierenden Probleme der Grenzregion nur gemeinsam gelöst werden können, entstand die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Form der Euroregionen, wodurch alle in der Region agierenden Kräfte profitieren und gleichzeitig etwaige, mit der EU-Erweiterung verbundene Probleme rechtzeitig angegangen werden sollen. Im Vordergrund steht der Gedanke der guten Nachbarschaft und das gemeinsame Handeln für Verständigung und Entwicklung.

Im Jahre 1991 wurde als erste Euroregion in Tschechien die trilaterale Euroregion Neisse-Nisa-Nysa im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik gegründet, 1992 folgten die Arbeitsgemeinschaften Euregio Egrensis, Erzgebirge-Krušnohoøí und Elbe/Labe sowie 1994 die Euregio Bayerischer Wald-Šumava (Böhmerwald)-Mühlviertel zwischen Deutschland, der Tschechischen Republik und Österreich. Um ihre Ziele zu verwirklichen, entwickeln und führen die einzelnen Euroregionen regionale Projekte durch. Die Finanzierung dieser Projekte erfolgt in erster Linie durch die Europäische Union mittels der Programme PHARE-CBC (cross-border-cooperation) auf Seiten der Beitrittskandidaten und der Gemeinschaftsinitiative INTERREG II bzw. seit dem Jahr 2000 INTERREG III für die EU-Mitgliedstaaten. Weitere Finanzierungsquellen sind Stiftungen, Sponsoren und Mittel aus dem kommunalen und privatwirtschaftlichen Bereich.

Euroregion Neisse-Nisa-Nysa

Die Euroregion Neisse besteht aus einem Interessenverband aus 10 Landkreisen in Sachsen, 5 Landkreisen in Böhmen und 43 Gemeinden aus 3 Wojewodschaften in Westpolen bzw. der Oberlausitz/Niederschlesien. Hier leben ca. 1,6 Mio. Menschen. Die Initialkonferenz stand unter der Schirmherrschaft von Václav Havel, Richard von Weizsäcker und Lech Walesa und unterstrich damit die besondere geopolitische Lage dieser Euroregion, in der die Ost-West-Beziehungen in ihrem neuen europäischen Ausmaß gestaltet werden sollen. Beispielhaft seien einige Projekte aufgeführt:

•         Eines der größten Probleme war die Undurchlässigkeit der Grenzen auf Wanderpfaden. In den 90er Jahren wurden an der deutsch-tschechisch-polnischen Grenze mehr als 10 Grenzübergänge für Wanderer und Radfahrer eröffnet.

•         Die Bibliothek "Bau der Versöhnung" in Liberec ist die größte ihrer Art in Nordböhmen und bietet den Lesern Informations- und Bildungsmöglichkeiten, die über den regionalen Charakter hinausreichen. Das Gebäude vereint an der Stelle der ehemaligen Reichenberger Synagoge in großer Symbolik einen jüdischen Gebetsraum, die alten Bestände der ehem. Deutschen Landesbibliothek für Böhmen sowie die verschiedenen Abteilungen der Wissenschaftlichen Bibliothek Liberec. Es ist heute bereits eines der großen Prestigeobjekte der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit und war im Sommer 2001 auch Ziel des Besuchs von Bundeskanzler Schröder und dem tschechischen Premier Zeman. 2002 wurde die ehemalige Direktorin, Frau Vohlídalová, für Ihre Verdienste um den Bau mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

  • Einrichtung eines einheitlichen Systems zur Kontrolle der Luftverschmutzung sowie zum raschen Datenaustausch zwecks operativer Eingriffe in Smogsituationen.
  • Aufforstungsmaßnahmen im Iser- und Riesengebirge.

Kontakt:
Tø. 1. máje 858, 460 01 Liberec
Tel.: 485 340 982
m.rehacek@arr-nisa.cz
www.euroregion-nisa.cz, www.euroregion-neisse.de

 

Euroregion Elbe / Labe

Gegründet wurde die Euroregion Elbe/Labe (EEL) am 24. Juni 1992 in Ústí nad Labem durch zwei öffentlich-rechtliche Kommunalverbände, und zwar dem Verband Eurorgeion Oberelbe / Östliches Erzgebirge und Euroregion Labe. Mitglieder dieser Verbände sind auf deutscher Seite die Stadt Dresden, der Kreis Meissen, Sächsische Schweiz und Weisseritzkreis. Auf tschechischer Seite sind dies die Städte und Gemeinden der Kreise Ústí nad Labem, Litomìøice sowie tlw. Dìèín und Teplice.

Zu den Hauptaufgaben der EEL gehört die Förderung der Regionalentwicklung im Grenzgebiet und die Zusammenarbeit bei der Regionalplanung, im Umweltbereich, Infrastruktur, Katastrophen- und Feuerschutz u.v.m.

•         binationales Gymnasium in Pirna

Bereits mit der Gründung der EEL 1992 wurde die Vision geboren, deutschen und tschechischen Schülern die Möglichkeit zu geben, in einem bilingualen Gymnasium gemeinsam zu lernen und ein in beiden Ländern anerkanntes Abitur abzulegen. 1997 wurde mit dem Umbau des Friedrich-Schiller-Gymnasiums ein einmaliger bi-nationaler und bi-lingualer Bildungsgang mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Profil und vertiefter sprachlicher Ausbildung entwickelt. Dabei lernen die Kinder neben der englischen zusätzlich die tschechische Sprache und bilden ab der 7. Klassenstufe eine binatonale Klasse mit jeweils 15 deutschen und 15 tschechischen Schülern. Durch einen Staatsvertrag zwischen der Tschechischen Republik und Sachsen ist gesichert, dass das zu erreichende Abitur sowohl in Deutschland als auch in der Tschechischen Republik anerkannt ist.

 

•         Fährverbindung über die Elbe

Das Projekt der Wiedereinführung der Fährverbindung zwischen Reinhardtsdorf/Schöna und Høensko war am 29.08.1995 zur ersten Sitzung des Lenkungsausschusses INTERRREG II das erste und zunächst einzige Projekt, das für eine Förderung bestätigt wurde. Bereits Ende des Jahres 1995 konnte das Fährschiff "Kaiserkrone" vom Stapel laufen und in Probebetrieb gehen. Durch verschiedene Verzögerungen bei der Planung und dem Bau der Anlegestellen auf beiden Seiten der Grenze konnte der tatsächliche Fährbetrieb dann erst am 07. Mai 1997 aufgenommen werden. Die Gesamtkosten von insgesamt rund 1,5 Mio. DM wurden zu 75 v.H. über die europäischen Förderprogramme PHARE-CBC und INTERREG II finanziert. An der restlichen Finanzierung waren der Freistaat Sachsen, die Tschechische Republik und die betroffenen Gemeinden beteiligt.

•         Kulturpass

Eins der ersten Projekte 1992, das sich immer größerer Beliebtheit in der tschechischen Öffentlichkeit erfreut, denn mit diesem Pass erhält der Besucher Einstrittsermäßigungen für kulturelle Einrichtungen auf der sächsischen Seite der EEL. Dazu gibt es eine Katalog und eine Kalender der Kultur- und Sporteinrichtungen.

•         Sächsisch-tschechisches Musikfestival

Das Sächsisch-tschechische Musikfestival jährt sich 2002 bereits zum zehnten Mal. In seinem Rahmen finden 74 Konzerte klassischer Musik parallel in Nordböhmen und in Sachsen statt. Ziel des Festivals ist es, an die jahrhundertalten musikalischen Bindungen zwischen Sachsen und Tschechien anzuknüpfen und diese Tradition mit neuem Leben zu füllen. Mittels zahlreicher Konzerte in- und ausländischer Ensembles bietet das Festival der Bevölkerung im Grenzgebiet die Möglichkeit der Begegnung mit einem herausragenden kulturellen Ereignis, Schönheit der Musik und Freude an einem künstlerischen Erlebnis höchsten Ranges. Die Tatsache, dass das Festival auf dem Gebiet beider Staaten stattfindet trägt zudem zu erhöhter Reisefreudigkeit und somit zum gegenseitigen Kennenlernen bei.

Kontakt:
Divadelní 15, 434 01 Most
Tel./Fax: 476 706 128
e-mai: euroregion@mumost.cz
internet: http://infopress.pons.cz
http://euroregion.pons.cz

 

 

Euroregion Erzgebirge - Krusnohoøí

Diese kleinere der Euroregionen entstand 1992 als Interessengemeinschaft zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auf deutscher und tschechischer Seite des Erzgebirges. In Nordböhmen umfasst sie die Kreise Most, Chomutov, Louny, tlw. Teplice und Litomìøice, auf deutscher Seite die Kreise Freiberg, Annaberg und Mittleres Erzgebirge. Gegenwärtig ist die Euroregion die einzige regionale Vertretung auf beiden Seiten, durch die grenzüberschreitende Projekte realisiert werden können. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Erstellung von Regionalentwicklungskonzepten. Hauptausrichtung ist jedoch das Knüpfen von Kontakten zwischen den Menschen auf allen Ebenen. So konnte sie z.B. bei der Vermittlung von Partnerschaften zwischen Gemeinden und Schulen helfen. Die Euroregion hat eine Reihe von gemeinsamen Projekten initiiert, vor allem auf kulturellem Gebiet sowie im Bereich Ausbildung, Umschulung, Verkehr und Umwelt.

  • vierteljährliches Erscheinen der Zeitschrift Infopress;
  • Im Jugend- und Kulturbereich veranstaltet die Euroregion regelmäßige Kunstworkshops, Sommerferienlager mit Sprachtraining, Ökocamps u.a. Das bedeutendste Projekt ist das Theaterfestival;
  • Für seine Mitglieder hat die Euroregion ein Beratungszentrum eingerichtet, das kostenlose Hilfe bei der Zusammenstellung von Projektanträgen leistet.


Kontakt:

Divadelní 15, CZ-434 01 Most
tel./fax: 476 706 128
euroregion@mumost.cz
internet: http://infopress.pons.cz
http://euroregion.pons.cz

 

Euregio Egrensis

Die Euregio Egrensis besteht aus drei Arbeitsgemeinschaften: auf deutscher Seite die Euregio Egrensis Arbeitsgemeinschaft Bayern e. V. und Vogtland/ Westerzgebirge e. V. (für den sächsischEN/ thüringischen Teil) und der Arbeitgemeinschaft Böhmen auf der Seite der Tschechischen Republik. Die Euregio Egrensis umfasst 22 Landkreise (Bayern 13, Sachsen 3, Thüringen 2, Westböhmen 4) mit fast 2 Mio. Einwohnern.

Besondere Projekte der Euregio Egrensis sind z.B.:

  • Das Projekt Gastschuljahr – ein halb- oder ganzjähriger Schüleraustausch zwischen deutschen und tschechischen Gymnasien
  • Das Projekt Sommerlager – ein gemeinsames deutsch-tschechische Jugendsommerlager
  • Der „Rad-Fernwanderweg“ – eine touristische Route über 500 Km
  • „Ausstellungen – Begegnungen auf dem Weg“ – eine Wanderausstellung mit Impressionen aus Städten und Landschaften der Region

Am 24. August 2001 besuchten Bundeskanzler Schröder und der tschechische Premier Zeman die Euregio und erhielten in Cheb die Ehrenbürgerwürde, bevor sie mit der Vogtlandbahn weiter nach Marktredwitz zum Festival "Nachbarn treffen, Europa gestalten" fuhren.

 

• Festival Mitte Europa Bayern Böhmen Sachsen

Die Ziele des Festivals Mitte Europa beschrieb sein 1999 verstorbener Mentor Yehudi Menuhin sehr treffend, als er davon sprach, dass es geographische Grenzen ebenso wie Mauern in den Köpfen der Menschen zu überwinden gelte. 2002 geht das Festival in sein nunmehr 11. Jahr und kann sich rühmen, seit seiner Gründung das traditionell vielschichtige kulturelle Leben in der Region Nordbayern-Sachsen-Tschechische Republik wiederbelebt zu haben. Auch in diesem Sommer will das Festival Mitte Europa mit einem breit gefächerten Programm aus über 50 Veranstaltungen – Klassik- & Jazzkonzerte, Lesungen, Workshops, Meisterkursen u.v.m. seinen selbstgestellten Zielen gerecht werden. Durch Veranstaltungen auf beiden Seiten der deutsch-tschechischen Grenze und Wahl herausragender Künstler wie exponierter Konzertorte ermöglicht das Festival einen Kontextbezug von Regionalität und Internationalität sowie eine geistig kulturelle und emotionale Bereicherung für die heimische Bevölkerung. Nicht zuletzt trägt das Festival Mitte Europa zur positiven Beurteilung der Region als Wirtschaftsstandort und Ausbau des Fremdenverkehrs bei.

 

Kontakt:
nám. Jiøího z Podìbrad 33, 350 01 Cheb
Tel.: 353 504 402
euregrensis@iol.cz, euregio@iol.cz
www.euregio-egrensis.org
www.euregio-egrensis.de (AG Bayern)
www.euregioegrensis.de (AG Sachsen/Thüringen)

 

Euregio Bayerischer Wald – Šumava – Mühlviertel

Die Euregio Bayerischer Wald – Šumava (Böhmerwald) - Mühlviertel ist ein Zusammenschluss von 16 Landkreisen aus Bayern (8), Böhmen (4) und dem Mühlviertel (4) mit 1,26 Mio. Einwohnern. Sie umfasst das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas und wird daher oft "grünes Dach Europas" genannt. Hieraus ergibt sich als natürlicher Arbeitsschwerpunkt die Erhaltung dieses Naturpotentials:

  • Sprachatlas Böhmerwald, der inzwischen auch in elektronischer Form vorliegt und um einen englischen Sprachteil erweitert wurde.
  • Rekonstruktion des Bahnhofgebäudes Špièák / Eisenstein (Železná Ruda), das sowohl auf deutschem als auch auf tschechischem Gebiet liegt und somit ein Paradebeispiel grenzüberschreitender Zusammenarbeit ist.
  • Festspiele "woodART" 2002-2005
  • Radwanderwege, Wallfahrten und Feriendörfer sowie Pflege der Langlaufloipen
  • Otterzentrum Bayern

Kontakt:

Námìstí Míru 63/I, 339 01 Klatovy
Tel.: 376 347 304 
knotek@okukt.cz
www.euregio-egrensis.org
www.euregion.cz
www.euregio-wald.com
www.euregio.at

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