Grenzgebiete im Herzen Europas
Als Verbindungsstelle zwischen der Europäischen Union und den benachbarten
Beitrittsländern wurden Anfang der 90er Jahre bi- und trilaterale Euroregionen
geschaffen, um die Chancen der bevorstehenden EU-Erweiterung zu nutzen,
aber auch um der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in der Grenzregion
gerecht zu werden. Die benachbarten Regionen in Deutschland, Österreich,
der Tschechischen Republik und Polen sind durch gemeinsame Interessen
wie auch durch gemeinsame Probleme miteinander verbunden. Aus der Erkenntnis,
dass die existierenden Probleme der Grenzregion nur gemeinsam gelöst werden
können, entstand die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Form der Euroregionen,
wodurch alle in der Region agierenden Kräfte profitieren und gleichzeitig
etwaige, mit der EU-Erweiterung verbundene Probleme rechtzeitig angegangen
werden sollen. Im Vordergrund steht der Gedanke der guten Nachbarschaft
und das gemeinsame Handeln für Verständigung und Entwicklung.
Im Jahre 1991 wurde als erste Euroregion in Tschechien die trilaterale
Euroregion Neisse-Nisa-Nysa im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen
und der Tschechischen Republik gegründet, 1992 folgten die Arbeitsgemeinschaften
Euregio Egrensis, Erzgebirge-Krušnohoøí und Elbe/Labe sowie 1994 die Euregio
Bayerischer Wald-Šumava (Böhmerwald)-Mühlviertel zwischen Deutschland,
der Tschechischen Republik und Österreich. Um ihre Ziele zu verwirklichen,
entwickeln und führen die einzelnen Euroregionen regionale Projekte durch.
Die Finanzierung dieser Projekte erfolgt in erster Linie durch die Europäische
Union mittels der Programme PHARE-CBC (cross-border-cooperation) auf Seiten
der Beitrittskandidaten und der Gemeinschaftsinitiative INTERREG II bzw.
seit dem Jahr 2000 INTERREG III für die EU-Mitgliedstaaten. Weitere Finanzierungsquellen
sind Stiftungen, Sponsoren und Mittel aus dem kommunalen und privatwirtschaftlichen
Bereich.
Euroregion Neisse-Nisa-Nysa
Die
Euroregion Neisse besteht aus einem Interessenverband aus 10 Landkreisen
in Sachsen, 5 Landkreisen in Böhmen und 43 Gemeinden aus 3 Wojewodschaften
in Westpolen bzw. der Oberlausitz/Niederschlesien. Hier leben ca. 1,6
Mio. Menschen. Die Initialkonferenz stand unter der Schirmherrschaft von
Václav Havel, Richard von Weizsäcker und Lech Walesa und unterstrich damit
die besondere geopolitische Lage dieser Euroregion, in der die Ost-West-Beziehungen
in ihrem neuen europäischen Ausmaß gestaltet werden sollen. Beispielhaft
seien einige Projekte aufgeführt:
Eines der größten
Probleme war die Undurchlässigkeit der Grenzen auf Wanderpfaden. In den
90er Jahren wurden an der deutsch-tschechisch-polnischen Grenze mehr als
10 Grenzübergänge für Wanderer und Radfahrer eröffnet.
Die Bibliothek "Bau der Versöhnung" in Liberec ist die
größte ihrer Art in Nordböhmen und bietet den Lesern Informations-
und Bildungsmöglichkeiten, die über den regionalen Charakter hinausreichen.
Das Gebäude vereint an der Stelle der ehemaligen Reichenberger Synagoge
in großer Symbolik einen jüdischen Gebetsraum, die alten Bestände
der ehem. Deutschen Landesbibliothek für Böhmen sowie die verschiedenen
Abteilungen der Wissenschaftlichen Bibliothek Liberec. Es ist heute bereits
eines der großen Prestigeobjekte der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit
und war im Sommer 2001 auch Ziel des Besuchs von Bundeskanzler Schröder
und dem tschechischen Premier Zeman. 2002 wurde die ehemalige Direktorin,
Frau Vohlídalová, für Ihre Verdienste um den Bau mit dem Bundesverdienstkreuz
ausgezeichnet.
- Einrichtung eines einheitlichen Systems zur Kontrolle der Luftverschmutzung
sowie zum raschen Datenaustausch zwecks operativer Eingriffe in Smogsituationen.
- Aufforstungsmaßnahmen im Iser- und Riesengebirge.
Kontakt:
Tø. 1. máje 858, 460 01 Liberec
Tel.: 485 340 982
m.rehacek@arr-nisa.cz
www.euroregion-nisa.cz, www.euroregion-neisse.de
Euroregion Elbe / Labe
Gegründet wurde die Euroregion Elbe/Labe (EEL) am 24. Juni 1992 in Ústí
nad Labem durch zwei öffentlich-rechtliche Kommunalverbände, und zwar
dem Verband Eurorgeion Oberelbe / Östliches Erzgebirge und Euroregion
Labe. Mitglieder dieser Verbände sind auf deutscher Seite die Stadt Dresden,
der Kreis Meissen, Sächsische Schweiz und Weisseritzkreis. Auf tschechischer
Seite sind dies die Städte und Gemeinden der Kreise Ústí nad Labem, Litomìøice
sowie tlw. Dìèín und Teplice.
Zu den Hauptaufgaben der EEL gehört die Förderung der Regionalentwicklung
im Grenzgebiet und die Zusammenarbeit bei der Regionalplanung, im Umweltbereich,
Infrastruktur, Katastrophen- und Feuerschutz u.v.m.
binationales
Gymnasium in Pirna
Bereits
mit der Gründung der EEL 1992 wurde die Vision geboren, deutschen
und tschechischen Schülern die Möglichkeit zu geben, in einem bilingualen
Gymnasium gemeinsam zu lernen und ein in beiden Ländern anerkanntes
Abitur abzulegen. 1997 wurde mit dem Umbau des Friedrich-Schiller-Gymnasiums
ein einmaliger bi-nationaler und bi-lingualer Bildungsgang mit mathematisch-naturwissenschaftlichem
Profil und vertiefter sprachlicher Ausbildung entwickelt. Dabei
lernen die Kinder neben der englischen zusätzlich die tschechische
Sprache und bilden ab der 7. Klassenstufe eine binatonale Klasse
mit jeweils 15 deutschen und 15 tschechischen Schülern. Durch einen
Staatsvertrag zwischen der Tschechischen Republik und Sachsen ist
gesichert, dass das zu erreichende Abitur sowohl in Deutschland
als auch in der Tschechischen Republik anerkannt ist.
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Fährverbindung
über die Elbe
Das
Projekt der Wiedereinführung der Fährverbindung zwischen Reinhardtsdorf/Schöna
und Høensko war am 29.08.1995 zur ersten Sitzung des Lenkungsausschusses
INTERRREG II das erste und zunächst einzige Projekt, das für eine
Förderung bestätigt wurde. Bereits Ende des Jahres 1995 konnte das
Fährschiff "Kaiserkrone" vom Stapel laufen und in Probebetrieb
gehen. Durch verschiedene Verzögerungen bei der Planung und dem
Bau der Anlegestellen auf beiden Seiten der Grenze konnte der tatsächliche
Fährbetrieb dann erst am 07. Mai 1997 aufgenommen werden. Die Gesamtkosten
von insgesamt rund 1,5 Mio. DM wurden zu 75 v.H. über die europäischen
Förderprogramme PHARE-CBC und INTERREG II finanziert. An der restlichen
Finanzierung waren der Freistaat Sachsen, die Tschechische Republik
und die betroffenen Gemeinden beteiligt.
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Kulturpass
Eins der ersten Projekte 1992, das sich immer größerer Beliebtheit
in der tschechischen Öffentlichkeit erfreut, denn mit diesem Pass erhält
der Besucher Einstrittsermäßigungen für kulturelle Einrichtungen
auf der sächsischen Seite der EEL. Dazu gibt es eine Katalog und eine
Kalender der Kultur- und Sporteinrichtungen.
Sächsisch-tschechisches
Musikfestival
Das Sächsisch-tschechische Musikfestival jährt sich 2002 bereits zum
zehnten Mal. In seinem Rahmen finden 74 Konzerte klassischer Musik parallel
in Nordböhmen und in Sachsen statt. Ziel des Festivals ist es, an die
jahrhundertalten musikalischen Bindungen zwischen Sachsen und Tschechien
anzuknüpfen und diese Tradition mit neuem Leben zu füllen. Mittels zahlreicher
Konzerte in- und ausländischer Ensembles bietet das Festival der Bevölkerung
im Grenzgebiet die Möglichkeit der Begegnung mit einem herausragenden
kulturellen Ereignis, Schönheit der Musik und Freude an einem künstlerischen
Erlebnis höchsten Ranges. Die Tatsache, dass das Festival auf dem Gebiet
beider Staaten stattfindet trägt zudem zu erhöhter Reisefreudigkeit und
somit zum gegenseitigen Kennenlernen bei.
Kontakt:
Divadelní 15, 434 01 Most
Tel./Fax: 476 706 128
e-mai: euroregion@mumost.cz
internet: http://infopress.pons.cz
http://euroregion.pons.cz
Euroregion Erzgebirge - Krusnohoøí
Diese kleinere der Euroregionen entstand 1992 als Interessengemeinschaft
zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auf deutscher und
tschechischer Seite des Erzgebirges. In Nordböhmen umfasst sie die Kreise
Most, Chomutov, Louny, tlw. Teplice und Litomìøice, auf deutscher Seite
die Kreise Freiberg, Annaberg und Mittleres Erzgebirge. Gegenwärtig ist
die Euroregion die einzige regionale Vertretung auf beiden Seiten, durch
die grenzüberschreitende Projekte realisiert werden können. Sie spielt
eine wichtige Rolle bei der Erstellung von Regionalentwicklungskonzepten.
Hauptausrichtung ist jedoch das Knüpfen von Kontakten zwischen den Menschen
auf allen Ebenen. So konnte sie z.B. bei der Vermittlung von Partnerschaften
zwischen Gemeinden und Schulen helfen. Die Euroregion hat eine Reihe von
gemeinsamen Projekten initiiert, vor allem auf kulturellem Gebiet sowie
im Bereich Ausbildung, Umschulung, Verkehr und Umwelt.
- vierteljährliches Erscheinen der Zeitschrift Infopress;
- Im Jugend- und Kulturbereich veranstaltet die Euroregion regelmäßige
Kunstworkshops, Sommerferienlager mit Sprachtraining, Ökocamps u.a.
Das bedeutendste Projekt ist das Theaterfestival;
- Für seine Mitglieder hat die Euroregion ein Beratungszentrum
eingerichtet, das kostenlose Hilfe bei der Zusammenstellung von Projektanträgen
leistet.
Kontakt:
Divadelní 15, CZ-434 01 Most
tel./fax: 476 706 128
euroregion@mumost.cz
internet: http://infopress.pons.cz
http://euroregion.pons.cz
Euregio Egrensis
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Die Euregio Egrensis besteht aus drei
Arbeitsgemeinschaften: auf deutscher Seite die Euregio Egrensis
Arbeitsgemeinschaft Bayern e. V. und Vogtland/ Westerzgebirge e.
V. (für den sächsischEN/ thüringischen Teil) und der Arbeitgemeinschaft
Böhmen auf der Seite der Tschechischen Republik. Die Euregio Egrensis
umfasst 22 Landkreise (Bayern 13, Sachsen 3, Thüringen 2, Westböhmen
4) mit fast 2 Mio. Einwohnern.
Besondere Projekte der Euregio Egrensis sind z.B.:
- Das Projekt Gastschuljahr – ein halb- oder ganzjähriger Schüleraustausch
zwischen deutschen und tschechischen Gymnasien
- Das Projekt Sommerlager – ein gemeinsames deutsch-tschechische
Jugendsommerlager
- Der „Rad-Fernwanderweg“ – eine touristische Route über 500 Km
- „Ausstellungen – Begegnungen auf dem Weg“ – eine Wanderausstellung
mit Impressionen aus Städten und Landschaften der Region
Am 24. August 2001 besuchten Bundeskanzler Schröder und der tschechische
Premier Zeman die Euregio und erhielten in Cheb die Ehrenbürgerwürde,
bevor sie mit der Vogtlandbahn weiter nach Marktredwitz zum Festival
"Nachbarn treffen, Europa gestalten" fuhren. |
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• Festival Mitte Europa
Bayern Böhmen Sachsen
Die Ziele des Festivals Mitte Europa beschrieb sein 1999 verstorbener
Mentor Yehudi Menuhin sehr treffend, als er davon sprach, dass es
geographische Grenzen ebenso wie Mauern in den Köpfen der Menschen
zu überwinden gelte. 2002 geht das Festival in sein nunmehr 11.
Jahr und kann sich rühmen, seit seiner Gründung das traditionell
vielschichtige kulturelle Leben in der Region Nordbayern-Sachsen-Tschechische
Republik wiederbelebt zu haben. Auch in diesem Sommer will das Festival
Mitte Europa mit einem breit gefächerten Programm aus über 50 Veranstaltungen
– Klassik- & Jazzkonzerte, Lesungen, Workshops, Meisterkursen u.v.m.
seinen selbstgestellten Zielen gerecht werden. Durch Veranstaltungen
auf beiden Seiten der deutsch-tschechischen Grenze und Wahl herausragender
Künstler wie exponierter Konzertorte ermöglicht das Festival einen
Kontextbezug von Regionalität und Internationalität sowie eine geistig
kulturelle und emotionale Bereicherung für die heimische Bevölkerung.
Nicht zuletzt trägt das Festival Mitte Europa zur positiven Beurteilung
der Region als Wirtschaftsstandort und Ausbau des Fremdenverkehrs
bei. |
Kontakt:
nám. Jiøího z Podìbrad 33, 350 01 Cheb
Tel.: 353 504 402
euregrensis@iol.cz, euregio@iol.cz
www.euregio-egrensis.org
www.euregio-egrensis.de
(AG Bayern)
www.euregioegrensis.de (AG
Sachsen/Thüringen)
Euregio Bayerischer Wald – Šumava – Mühlviertel
Die Euregio Bayerischer Wald – Šumava (Böhmerwald) - Mühlviertel ist
ein Zusammenschluss von 16 Landkreisen aus Bayern (8), Böhmen (4) und
dem Mühlviertel (4) mit 1,26 Mio. Einwohnern. Sie umfasst das größte
zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas und wird daher oft "grünes
Dach Europas" genannt. Hieraus ergibt sich als natürlicher Arbeitsschwerpunkt
die Erhaltung dieses Naturpotentials:
- Sprachatlas Böhmerwald, der inzwischen auch in elektronischer
Form vorliegt und um einen englischen Sprachteil erweitert wurde.
- Rekonstruktion des Bahnhofgebäudes Špièák / Eisenstein
(Železná Ruda), das sowohl auf deutschem als auch auf tschechischem
Gebiet liegt und somit ein Paradebeispiel grenzüberschreitender Zusammenarbeit
ist.
- Festspiele "woodART" 2002-2005
- Radwanderwege, Wallfahrten und Feriendörfer sowie Pflege der Langlaufloipen
- Otterzentrum Bayern

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