Bundespräsident Johannes Rau hat folgende
Erklärung zur Einigung über die Höhe des Stiftungsvermögens zur
Entschädigung von Zwangsarbeitern abgegeben:
Ich bin dankbar dafür und erleichtert
darüber, dass endlich eine Vereinbarung über die Entschädigung der
Zwangsarbeiter zustande gekommen ist. Ich danke allen, die daran
mitgewirkt haben.
Seit dem Ende des Krieges, 54 Jahre
lang, mussten Menschen, die von der Kriegsmaschinerie der Nationalsozialisten
missbraucht worden sind, auf eine Entschädigung warten.
Erst nachdem die Teilung Europas überwunden worden war, wurde es
möglich, auch über diese Frage zu verhandeln.
An den Zwangsarbeitern haben
sich damals viele Unternehmen bereichert. Einige von ihnen haben
sich schon bisher zu ihrer Verantwortung öffentlich bekannt und
sich um materielle Entschädigung bemüht. Aber erst die Stiftungsinitiative
deutscher Unternehmen wird dieses Engagement auf eine breitere Grundlage
stellen. Jetzt müssen möglichst schnell möglichst viele Unternehmen
dazu kommen, damit deutlich wird: Die deutsche Wirtschaft steht
zu ihrer Verantwortung. Einige Unternehmen beteiligen sich, ohne
selber Zwangsarbeiter beschäftigt zu haben.
Der deutsche Staat trägt einen
ganz wesentlichen Teil bei. Damit bekennen sich alle, die die Stiftungsinitiative
mittragen, Staat und Unternehmen, zu der gemeinsamen Verantwortung
und der moralischen Pflicht, die aus dem begangenen Unrecht entstanden
sind.
Wir alle wissen, dass man die
Opfer von Verbrechen mit Geld nicht wirklich entschädigen kann.
Wir alle wissen, dass das Leid, das Millionen Frauen und Männern
zugefügt wurde, nicht wiedergutgemacht werden kann. Es macht auch
keinen Sinn, begangenes Unrecht gegeneinander aufzurechnen.
Sklaven- und Zwangsarbeit bedeutete
nicht nur das Vorenthalten des gerechten Lohnes. Sie bedeutete Verschleppung,
Heimatlosigkeit, Entrechtung, die brutale Missachtung der Menschenwürde.
Oft war sie planvoll darauf angelegt, die Menschen durch Arbeit
zu vernichten.
Für alle, die damals ihr Leben
verloren haben, kommt die Entschädigung genauso zu spät wie für
alle, die inzwischen gestorben sind.
Umso wichtiger ist es, dass
jetzt alle Überlebenden möglichst bald die heute vereinbarte humanitäre
Leistung bekommen. Ich weiß, dass für viele gar nicht das Geld entscheidend
ist. Sie wollen, dass ihr Leid als Leid anerkannt und dass das Unrecht,
das ihnen angetan worden ist, Unrecht genannt wird.
Ich gedenke heute aller, die
unter deutscher Herrschaft Sklavenarbeit und Zwangsarbeit leisten
mussten und bitte im Namen des deutschen Volkes um Vergebung.
Ihre Leiden werden wir nicht
vergessen.
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