|
Bundeskanzler Schröder am 5. September zu Besuch in Prag Bundeskanzler Gerhard Schröder hielt sich auf Einladung des tschechischen Ministerpräsidenten Vladimír Špidla am 5.09.2003 zu einem eintägigen Besuch in Prag auf. Am Vormittag wurde er zunächst vom Präsidenten der Tschechischen Republik, Václav Klaus, auf der Burg empfangen. Themen des Gesprächs waren die bilateralen Beziehungen und die gemeinsame Zukunft in einem erweiterten Europa im Vordergrund. Beide äußerten sich nach dem Gespräch wie folgt: Bundeskanzler Schröder: ”Herzlichen Dank. Ich habe mich sehr gefreut, dass Präsident Klaus mich empfangen hat. Ich bin hier einfach, um deutlich zu machen, dass Tschechien und Deutschland allen Anlaß haben nach vorne zu blicken und dass das, was gelegentlich zu Mißverständnissen, auch zu unterschiedlichen Auffassungen in der Vergangenheit geführt hat angesichts der Tatsache, dass dieses Land im nächsten Jahr Mitglied der Europäischen Union sein wird und wir Verantwortung für die jungen Leute nicht zuletzt haben, nun endlich der Vergangenheit angehören sollte. Ich habe mich sehr gefreut über das, was der Herr Präsident Klaus zu diesen Fragen gesagt hat und ebenso natürlich über das, was der Ministerpräsident gesagt hat, das zusammengenommen mit der Erklärung von 97 ist eine sehr sehr gute Basis ist, um wirklich an die Zukunft zu denken und dafür zu arbeiten, dass Europa unser gemeinsamer Ort für politische Aktivitäten und natürlich für wirtschaftliche wird. Darum geht es, und ich bin ganz zuversichtlich, dass das auch gelingen wird.” Präsident Klaus (dt. Übersetzung konsekutiv): ”Ich möchte bekräftigen, dass wir in der Tat einen Teil unseres Gesprächs diesen Fragen nachgegangen sind, d.h. den deutsch–tschechischen Beziehungen und ich glaube, dass wir uns mit dem Herrn Bundeskanzler Schröder einig sind in unserer Auffassung über unsere Beziehungen, dass wir sehr wohl wissen, wie sorgfältig wir mit Fragen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft umgehen müssen. Und im zweiten Teil unseres Gesprächs sind wir dann europäischen Fragen, Fragen des Konvents und Fragen der europäischen Verfassung nachgegangen. Ich persönlich habe Herrn Bundeskanzler versichert, dass wir uns in dieser Debatte eher auf die Quintessenz des Problems konzentrieren sollten und dass ich persönlich nicht ein Anhänger der Theorie bin, dass wir uns mehr mit Beziehungen zwischen den kleinen und großen Staaten innerhalb Europas befassen sollten.” Des weiteren führte der Bundeskanzler ein Gespräche mit den Vorsitzenden beider Kammerns des tschechischen Parlaments, dem Senatspräsident Petr Pithart sowie dem Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses, Lubomír Zaorálek. Im Regierungsamt, dem Sitz des tschechischen Premierministers Vladimír Špidla, wurde Bundeskanzler Schröder mit militärischen Ehren vom Ministerpräsidenten begrüßt. Inhalt der Gespräche waren auch hier europapolitische Themen, vor allem die bevorstehende Regierungskonferenz über die EU–Verfassung. Nach dem Gespräch wurde der Bundeskanzler durch Herrn Stránský, Präsident des Stiftungsrats der Stiftung für die Opfer des Nazismus, mit einer Bronzeplakette geehrt. Die Stiftung setzt sich aus den folgenden drei Organisationen zusammen: ”Föderation der Jüdischen Gemeinden" (Federace židovských obcí), dem "Bund der Freiheitskämpfer" (Svaz bojovníkù za svobodu) und dem "Verband der befreiten politischen Häfltinge" (Sdružení osvobozených politickiých vìzòù). Die erstmals vergebene Ehrung erhielt der Bundeskanzler für seine Verdienste um die Entschädigung von Zwangsarbeitern, durch die, so Herr Stránský, ein erheblicher Beitrag zur Versöhnung geleistet wurde. Nach dem Mittagessen mit über 100 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Kultur und Politik, spazierten beide Regierungschefs bei strahlend blauem Himmel über die viel besuchte Karlsbrücke. Besuch bei Siemens Schienenfahrzeuge GmbH Am Nachmittag besichtigten Bundeskanzler Schröder und Ministerpräsident Špidla die Werkhalle der Firma Siemens Schienenfahrzeuge GmbH in Prag Zlièín, dem größten Erzeuger für Schienenfahrzeuge in der tschechischen Republik. Dabei wurden sie von Johannes Feldmayer, Mitglied des Vorstands der Mutterfirma Siemens AG, Hans M. Schabert, Vorstandsvorsitzender der Devision Transportsysteme und Herrn Pavel Kafka, Generaldirektor bei der Siemens GmbH und Repräsentant der Firma Siemens in der Tschechischen Republik, begleitet. Während der Exkursion wurden Bundeskanzler Schröder und Ministerpräsident Špidla die Rohbauten der Stahl- sowie Aluminiumbahnwaggons gezeigt, sowie Waggons für die Prager Metro. Die Siemens Schienenfahrzeuge GmbH entstand im Februar 2002, als man Teile des Konkursunternehmens, ÈKD Verkehrssystem kaufte. Bis heute wurden 42 Millionen Euro in die Umstrukturierung, Modernisierung und Erweiterung investiert. Das Werk beschäftigt derzeit ca. 800 Arbeitnehmer. Seit Juli 2002 ist die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) mit einem Drittel an der Firma Siemens Schienenfahrzeuge GmbH beteiligt. Die Firma Siemens gehört mit ihren 10 000 Angestellten in der Tschechischen Republik zu einem der größten Arbeitgebern und mit einem Investitionsvolumen von 373 Millionen Dollar zu einem der größten Investoren im Land. Mehr Informationen finden Sie unter Der Besuch von Bundeskanzler Schröder klang mit einer Kostprobe tschechischen Biers in der Privatbrauerei ”Pivovarský dvùr” aus. |
||